»Warum«, werde ich oft gefragt, »rappst du eigentlich nicht auf Deutsch?«
Deutsch sei schließlich meine Muttersprache. Auf Deutsch redete ich, auf Deutsch dächte und träumte ich – ganz zu schweigen von den Büchern, die ich im Laufe meiner Tätigkeit als (deutschsprachiger) Schriftsteller verfasst hätte. Vor allem aber – und gerade daran müsse ein Produzent doch zuallererst denken – seien die Marktchancen für einen englischsprachigen Rapper aus Österreich mehr oder weniger gleich Null. Wenn nicht sogar noch kleiner.
Deshalb – und nur deshalb – hier und heute der wahre Grund, aus dem ich mich bis zuletzt standhaft weigere, vom Englischen zu lassen.
Doch zuvor rasch noch ein paar Anmerkungen zum, wie ich meine, zu Unrecht in Verruf geratenen Englisch-Rap:
Von einem alternden österreichischen Rocksänger, der es in den Achtzigerjahren mit Rock- und Bluesballaden bis in die internationalen Charts geschafft hat, musste ich mir anlässlich eines öffentlichen Mixtape-Hearings von ein paar Jahren Folgendes anhören:
Zwar sei meine Musik durchaus gut gemacht, gab der Mann zum Besten, dennoch befalle ihn ein Schauder des Unbehagens, wann immer ein junger Europäer – ein Wohlstandskind, also – sich an Rapmusik versuche. Schließlich sei diese Musik “etwas Erdiges”, der Ausdruck einer Minderheit, die Sprache des Ghettos.
Nun, zumindest könnte man aus dieser Begegnung folgern, dass ein Leben als unkonventioneller Rebell und Freigeist und altersbedingter Konservativismus einander eben doch nicht ausschließen. 
Und dennoch brennt mir seitdem eine Entgegnung auf der Zunge, die ich nun, in diesem Rahmen, endlich los werden möchte:
- Hiphop wurde in der Achtzigerjahren erfunden. Dies ist, vorsichtigen Schätzungen zufolge, etwa zwei Jahrzehnte her.
- Seitdem hat diese (wie jede erfolgreiche) Musikrichtung eine umfassende Kommerzialisierung erfahren. (Spätestens seit der Nominierung von J. Lo als “Best Hiphop” dürfte darüber kein Zweifel mehr bestehen – von Werbung á la “Maxi King” ganz zu schweigen.)
- Als Hiphop Ende der Achtziger erstmals das Interesse von Musikern in Deutschland und Österreich weckte, war es streng verpönt, nicht auf Englisch zu rappen. Deutschsprachige Crews wie “Fanta4″ galten als absolut uncool. Auch Authentizität ist eben oft eine Frage des Zeitgeists.
Davon einmal abgesehen gehe ich davon aus, dass unser Vertreter der Rockfraktion seinerzeit den Blues aus genau demselben Grund für sich entdeckt hat, aus dem unsereins Hiphop macht: aus einer tief empfundenen, anhaltenden Liebe zu dieser Art von Musik (und nicht etwa, um dem Trübsal einer Existenz als versklavter Baumwollpflücker zu entfliehen…)
So. Das musste gesagt werden.
Nun aber – für alle, die bis hierhin durchgehalten haben – der wahre Grund, aus dem ich allen Widersprüchen zum Trotz nicht Deutsch rappe: Weil sich’s einfach Scheiße anhört.
Beweis gefällig? Bitte sehr. Hier mein erster (und einziger) Versuch: eine Cover-Version von “Forget About Dre” von Dr. Dre und Eminem unter dem (zu diesem Beitrag) passenden Titel:






16. Oktober 2008 | 14:53
Grüzina Herr des guten Geschmackes!
Zusätzlich möchte ich meinerseits noch betonen, dass wir vordergründig ja in einer modernen Gesellschaft deren Grenzen aufgehoben wurden leben, und Kunst diese Form der Freiheit schon lange pflegt.
Also warum nicht ein Album in eigens erfundener Sprache produzieren ?
Ein Niederösterreicher wird ja noch auf Englisch rappen dürfen, sowie ein beispielsweise Dunkelhäutiger ja dennoch ein Recht auf unsere Nationalität hat.
Lasst uns doch unterstützen in dem was wir tun & nicht regelmässig nach Rechenschaften hinterfragen.
“Es ist, wie es ist”
- und nicht wie jemand meine so solle, müsse, könnte es sein.
In Liebe & Aufrichtigkeit
Slivernese
16. März 2009 | 22:17
Also ich finde nicht, dass sich deutscher Rap “scheiße” anhört, auch wenn ich selbst lieber englischen Rap höre. Das ist wahrscheinlich Gewöhnungs- und Geschmackssache.
21. März 2009 | 17:58
Da muss ich doch rasch einschränken… Nicht deutscher Rap hört sich Scheiße an. Wenn ICH deutsch rappe, hört sich das Scheiße an. Ein großer Unterschied